Das Vital Hotel Schützenhaus
Die Geschichte eines Hauses in Bad Sachsa
Die Geschichte des Schützenhaus ist eng mit der Entwicklung der Stadt Bad Sachsa verbunden.
Bereits 1732 wurde erstmals ein Schützenhaus in Sachsa erwähnt. Es wurde an der Stelle, wo heute das Reichsbundhotel steht, für 300 Taler errichtet. 1825/26 wurde es wegen Einsturzgefahr abgerissen und ein neues, größeres Schützenhaus wurde gebaut. Der in diesem Haus wohnende Stadtförster erhielt 1842 die Erlaubnis, »Unter den Linden« einen öffentlichen Ausschank einzurichten. Dieser Ausschank war hauptsächlich für die Schützen bestimmt, die ihre Schießübungen auf dem hinter dem Forsthaus gelegenen Schießplatz durchführten.
Das Schützenhaus wurde 1873 von August Frind sen. übernommen. Er baute diese Waldschänke zu einem kleinen Hotel aus.
Danach besaß sein Sohn Bruno Frind für kurze Zeit das Schützenhaus, bis dessen Bruder August Frind jun. das kleine Hotel und Gasthaus im Jahre 1882 erwarb. Dieser sehr aktive gelernte Kaufmann begann sofort, sein Anwesen auszubauen.
Nach einigen kleinen Bautätigkeiten, z.B. Eiskeller, Wagenschuppen etc., wurde im Jahre 1888 der Saal (der heutige Speisesaal) gebaut. Den Entwurf für dieses Projekt erstellte der Architekt H. Habermann aus Nordhausen, der auch die Planungen der weiteren Bauten für August Frind durchführte.
1893 wurde das »Parkhaus« (nicht mehr vorhanden) als »Logirhaus« für Sommergäste gebaut. Gleichzeitig entstand auf dem Frindschen Grundstück ein neues Wirtschaftsgebäude mit Pferd-, Kuh- und Schweineställen im Erdgeschoss; mit Kutscherzimmer, Schlafzimmer, Wäsche- und Bügelraum im Dachgeschoss. Zusätzlich wurde eine Wagenremise gebaut.
1898 wurde das »Lindenhaus« (es steht noch der Treppenturm – das heutige Haupttreppenhaus) als zweites »Logirhaus« für Sommergäste errichtet.
Im Herbst 1904 wurde das ehemalige Forst- und Schützenhaus abgerissen. An der gleichen Stelle entstand bis Mai 1905 das neue Kurhotel Schützenhaus (der heutige Altbau). Gleichzeitig wurden »Lindenhaus«, »Parkhaus« und das neue Schützenhaus miteinander verbunden und gemeinsam bewirtschaftet.
Der Hotelbesitzer August Frind hatte sein erstes Ziel erreicht. Aus der kleinen abseits gelegenen Waldschänke war das weithin bekannte Kurhotel Schützenhaus geworden. Dieses neue Hotel lag am Eingang zu den neuen Kuranlagen, die in der Zwischenzeit entstanden waren. Wie der Kurort Bad Sachsa (Sachsa wurde 1905 zum Bad ernannt) sich zum beliebten Aufenthalts- und Erholungsort entwickelt hatte, so hatte auch das Kurhotel Schützenhaus mit der Entwicklung Schritt gehalten. Eine Werbebroschüre des Kurhotels beschrieb das neue Gebäude:
»An Stelle des ehemaligen Gasthauses sind architektonisch schön ausgeführte Neubauten getreten, welche mit allen modernen Hotel-Einrichtungen versehen sind und in denen Gesellschaftsräume, offene und geschlossene Veranden den Gästen zur Verfügung stehen.
Nicht zum wenigsten haben die renommierte Küche und die gut gepflegten Weine des Kurhotels Schützenhaus zu dessen günstiger Ausdehnung beigetragen.
Die ca. 80 Zimmer und Salons des Hotels haben fast ausnahmslos Loggia oder Balkon und bieten eine herrliche Aussicht auf die nahen Berge und das reizende Städtchen. Die mit allem modernen Komfort, wie elektrische Beleuchtung, Zentralheizung und Wasserspülung ausgestattete Einrichtung macht auch im Winter den Aufenthalt im Hotel behaglich und angenehm.
Eine Gebirgsjagd mit gutem Rehbestand, Rot- und Schwarzwild sowie Forellenfischerei in Teichen und Bächen steht meinen Gästen zur Verfügung.«
Das Kurhotel Schützenhaus war aber nicht nur das beliebte Hotel für auswärtige Gäste, sondern es war auch Mittelpunkt des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens der Stadt Bad Sachsa.
Der große Saal mit seiner vorgelagerten Terrasse erlebte große Veranstaltungen der Kurverwaltung, Schützenbälle, Feuerwehrbälle, Rodel-Korso (Faschingsvergnügen der Wintersportler) und vieles mehr.
Die große Freitreppe zur Hindenburgstraße wurde genutzt als idealer Platz für Reden und Proklamationen.
Während des zweiten Weltkrieges wurde das Schützenhaus von der Verwaltung der Firma Dynamit Nobel AG, Köln-Troisdorf, benötigt. Bei Kriegsende belegten erst amerikanische, dann englische Besatzungstruppen das Hotel als Unterkunft und den anliegenden Kurpark als Fahrzeugpark und Lager.
Erst 1948 konnte die Familie Frind das Schützenhaus wieder übernehmen und den Hotelbetrieb weiterführen. Das Schützenhaus war in einem verwahrlosten Zustand. Wie schwierig es war, das Hotel zu sanieren, mag folgende Anekdote verdeutlichen: Frau Gertrud Frind erzählte, dass sie keine Fensterscheiben kaufen konnten. Erst im Tausch gegen ein ganz um das Hotel laufendes Elektrokabel war die Glashütte Grünenplan bereit, die benötigten 100 Fensterscheiben zu liefern.
Im gleichen Jahr 1948 werden Linden- und Parkhaus an den Reichsbund verpachtet, der dann im Mai 1948 im Schützenhaus die erste ordentliche Bundestagung abhält.
1954 übernahm Herbert Frind das Hotel von seiner Mutter Marie Frind, deren Ehemann August Frind – der Gründer des Hotels – schon im Jahre 1924 verstorben war. Als Herbert Frind im Jahre 1958 starb, wollte seine Ehefrau Gertrud Frind das Hotel nicht weiterführen. Nach gescheiterten Kaufverhandlungen mit dem Reichsbund verkaufte sie Ostern 1961 das Hotel an den Kaufmann Paul Kuhn, Berlin. Dieser verkaufte es im Oktober 1961 an den Reichsbund.
Der Verkauf des Schützenhauses an den Reichsbund hatte eine heftige Diskussion unter den Bürgern von Bad Sachsa ausgelöst. Seit Jahrzehnten war das Schützenhaus das führende Hotel in der Stadt. Sein Saal war die traditionelle Stätte aller repräsentativen Veranstaltungen: Vereinsbälle, Künstlergastspiele, Tagungen, Konzerte, Theater, Kabarett etc.
Durch den Verkauf des Schützenhauses an den Reichsbund war der Stadt und der Kurverwaltung der einzige Saal genommen, in dem größere Veranstaltungen durchgeführt werden konnten.
Es stellt sich aber bald heraus, dass der Verkauf auch seine Vorteile hatte. Durch die Anwesenheit von nahezu 100 Gästen wurde das damalige Reichsbunderholungsheim zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Faktor für die Stadt Bad Sachsa. Es war auch zu erkennen, dass die verantwortlichen Vertreter des Reichsbundes regelmäßig Baumaßnahmen durchführten, um den baulichen Zustand des Schützenhauses zu verbessern.
Schon 1963 wurde das Schützenhaus von dem Architekten Dipl.-Ing. Alfred Röhl, Celle, umgebaut und bot nach Abschluss der Bauarbeiten Platz für 140 Gäste.
1979 wurde ein ldeenwettbewerb zur Umgestaltung des Erholungsheimes ausgeschrieben. Der Architekt Dipl.-Ing. Arno Pfeifer, Hannover, konnte den Wettbewerb für sich entscheiden und wurde 1982 mit der weiteren Planung beauftragt.
Während dieser Modernisierungsmaßnahme stellte sich heraus, dass der Seitentrakt baufällig war. Man baute einen neuen Seitentrakt, der in seiner Gestaltung am Charakter des Altbaus anknüpft. 1985 war der Umbau abgeschlossen. Bereits bei diesem Umbau wurden die Belange der schwerbehinderten Gäste besonders berücksichtigt.
1998 übernahm der Sozialverband Reichsbund e.V. Landesverband Niedersachsen, das Erholungsheim vom bisher zuständigen Bundesverband und führte wiederum Modernisierungsmaßnahmen durch. Der Landesverband Niedersachsen ist bestrebt, die ursprüngliche Bauweise des Schützenhauses sofern es möglich ist, wiederherzustellen und moderne Ansprüche damit zu kombinieren. Die Umbauarbeiten fanden unter der Federführung des Architekten Dipl.-Ing. Norbert Möbus, Bad Bevensen, statt.
Nach der Erweiterung zum Erholungszentrum stehen behindertengerechte Ferienappartements, die in eine Wohnanlage integriert sind, zur Verfügung. Des Weiteren wurde das »Kurpark-Gästehaus« als Bettenhaus erworben, das über einen direkten Zugang zum Kurmittelhaus Bad Sachsas verfügt und sich in unmittelbarer Nähe des Schützenhauses befindet.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Wiederbelebung der kulturellen Seite des Schützenhauses. In Form von Kunstausstellungen, Musikabenden, Lesungen wird behinderten und nicht behinderten Künstlerinnen und Künstlern ein Forum angeboten. Das Schützenhaus bietet eine hervorragende Kulisse zum »Kulturmachen«, die vom Landesverband Niedersachsen entsprechend genutzt und der Öffentlichkeit angeboten wird.
Allen Gästen des Schützenhauses in Bad Sachsa steht ein Gebäude zur Verfügung, das alle Möglichkeiten für einen erholsamen Ferienaufenthalt in der reizvollen Landschaft des Südharzes bietet.
Quelle: Sozialverband Reichsbund e.V. Arno Pfeifer, »Vom Schützenhaus zum Reichsbunderholungsheim«, Hannover 1985

















